Fischerei Abegglen

Zum Fischen muss man sehr früh aufstehen. Es ist 5 Uhr morgens, der kleine Hafen des Dörfchens Iseltwald ist leer. Beat Abegglen, der letzte Fischer auf dem Brienzersee, fährt mit seinem Boot heraus um die Fische aus den am Vorabend aufgestellten Netzen zu holen. Der langjährige Berufsfischer musste seinen Beruf zu einem teuren Hobby machen, weil die Situation am See nicht besonders freudig ist. Heutzutage kann man von der Fischerei auf dem Brienzersee nicht mehr leben und er musste andere Einnahmequellen suchen.







Nach einer zweijährigen Ausbildung auf dem Bielersee und Kursen am Starnberger See konnte Beat 1988 erstmals das Kantonale Berufsfischer-Patent erwerben. Mit der Übernahme eines der fünf Berufsfischer-Patente erteilte Beat seinen Traum – Leben vom Fischen. In Iseltwald, seinem Familienort, baute er eine Fischverarbeitungs-Anlage und began gemeinsam mit seiner Frau Elsbeth einen Fischhandel. Alles änderte als die Fischereierträge drastisch zurückgingen. Von den fünf Fischern ist nur einer geblieben und das war der Beat.







Er möchte sehr gerne, dass seine eigenen Kinder im Brienzersee auch noch einen Brienzlig fangen könnten – eine Unterart der Felchen, die im ganzen frittiert und gegessen werden. Ob das so sein wird, ist eine große Frage, den Brienzersee ist zu sauber und die Fische werden immer kleiner und wachsen immer langsamer. In 1986 wurde beschlossen Phosphat in Waschmitteln zu verbieten, um die Qualität des Seewassers zu verbessern. Als Resultat gibt es im See weniger Plankton und Wasserflöhe, welche wiederum die Hauptnahrung der Fische sind.









Der Brienzersee ist der zweitgrößte See im Berner Oberland - mit 14 km Länge und einer maximalen Tiefe von 260 m. An seinen Fischarten ist Brienzersee gar nicht so arm – neben Seeforellen, Felchen (von denen die Fischer eigentlich noch leben können), gibt es auch die Trüschen, Egli (Flussbarsche), Hechte und bereits erwähnte Brienzlige. Jede Fischart hat eine eigene gesetzlich vorgesehene Netzgröße und hier erkennt man sofort das Problem im See – die Fische sind so klein, dass sie mit den dafür vorgesehenen Netzten nicht gefangen werden können.



Die Brienzlige werden nicht einmal größer als 18 cm lang. Oder anders gesagt: wenn man früher 5 Felchen für ein Kilogramm Fisch brauchte, müssen es heute 25 bis 30 Stück gefangen werden, um dasselbe Gewicht zu erreichen. Die Forellen konnten sich hingegen an die Seesituation anpassen und sind sogar größer im Vergleich zu Forellen in den anderen Schweizer Seen.



Heutiger Fang war aber viel optimistischer im Vergleich zu den anderen Tagen. Beat konnte sogar eine Barbe – ein seltenes Exemplar - fangen. Hier musste man unbedingt ein Foto machen - “Sonst glaubt mir keiner”, sagt der Beat.





Um halb acht, noch bevor der Betrieb auf dem See los geht, geht es ins Bootshaus. Die Fische werden geschuppert und filetiert, danach können sie frisch oder geräuchert verkauft werden.










Beat Abegglen liebt die Fischerei und sein größter Traum wäre seinen Beruf weiter als Hauptberuf auszuüben. Seine Erfahrung hat er im Tropenhaus Frutigen eingesetzt, als er im Kernteam des Projektes gearbeitet hat. Er möchte das gesammelte Wissen aber auch an junge Fischer weitegeben, nur ist Fischerei für die neue Generation kein Traumjob mehr. Beat kämpft aber weiter für den See und wir hoffen, die Situation wird sich bald wieder ändern!






Fischerei Abegglen befindet sich in Tenn 31F3807 Iseltwald


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