Riebels Fischhandlung

Wenn man von einer Fischerei am Bodensee spricht, dann wird der Untersee sehr oft in den Hintergrund gestellt oder gar nicht extra erwähnt. Jedoch verfügt jeder Seeteil über seine eigene Fischereiverordnung und ein eigenes Fischereirecht (heute als Patent bezeichnet).





Der Untersee ist der westliche, kleinere Seeteil, der auf der Grenze von Deutschland mit dem Land Baden- Württemberg und der Schweiz mit den Kantonen Thurgau und Schaffhausen liegt. Vor ca. 100 Jahren waren es noch über 100 Fischer auf dem Untersee, heute sind es weniger als 10 auf der Schweizer und circa 20 auf der deutschen Seite. Einer von denen heißt Stefan Riebel, der auf der Insel Reichenau einen seit mehreren Generationen bestehenden Familienbetrieb führt.






Sein Tag beginnt um 5 in der Früh und dauert meistens bis 9 Uhr am Abend. Während des Tages fährt er gemeinsam mit seinem Sohn Urs mehrmals auf den Bodensee: zuerst Netze ausbringen, dann wieder herausholen.





Die Fische werden umgehend danach weiterverarbeitet – geräuchert oder in frischem Zustand im Fischgeschäft zum Verkauf vorbereitet. Sie werden als Ganzes oder als Filet angeboten (einige Fische wie Saibling und Forelle müssen zugekauft werden). Außerdem werden Spezialitäten wie Fischsülze, Terrinen, Maultaschen und Aufstriche nach eigenem Rezept selbst hergestellt. Das Geschäft gibt es übrigens seit 1986 und seitdem steht das Konzept fest – Fischerei und Selbsvermarktung.






Bodensee hat rund 30 Fischarten, aber nur etwa die Hälfte davon kann fischereilich genutzt werden. Die mit Abstand größte Bedeutung kommt den Felchen zu, gefolgt von Barsch, Karpfen, Zander, Hecht und Aal. Für jede Fischart ist eine eigene Netzgröße laut Gesetz vorgesehen, ein Fisch muss daher eine bestimmte Größe und Länge haben um gefangen werden zu dürfen. Eine Felche muss zum Beispiel ca. 320 g wiegen und dabei eine Länge von 30 cm haben. Ein Hecht darf nur dann mitgenommen werden, wenn er nicht kürzer als 40 cm ist und dabei nicht weniger als 600 g wiegt.




Mit der Zeit wurde es klar dass man von einem reinen Fischereibetrieb nicht leben kann und dann kamen Riebels auf eine neue Geschäftsidee: ab Ostern bis in den Herbst werden Fische nicht nur im Laden verkauft, sondern auch frisch zubereitet.





Man erlebt hier einen wahren Genuss: Forellenmatjes, Fischsülze, geräucherte Forellen oder Saibling, Fischbrötchen, gegrillte oder gebratene Filets und einiges mehr. Und nein, es gibt hier keine frittierten Fische und Pommes als Beilage! Auf einer Fischplatte kann man auch eine Äsche serviert bekommen. Das kommt aber seltener vor. Wenn man Äsche gefangen hat, dann werden diese im Fischgeschäft sofort ausverkauft. So groß ist die Nachfrage heutzutage auf selten gewordene Bodensee-Fischarten.

Stefan Riebel ist außerdem Jäger, das ist sein Hobby und es passt gut zu seinem Hauptberuf. In seinem Laden kann man während der Saison Wild vom Halbinsel Bodanrück kaufen und für diesen Herbst ist auch ein 3-Tages Wildmenü für Imbiss geplant.








Auf dem Logo der Fischhandlung findet man übrigens die Teile von fünf verschiedenen Fischarten, die zusammen ein Fisch darstellen. Damit man nicht raten muss: es sind Äsche, Hecht, Saibling, Barsch und Zander.


 





Fischer auf dem Bodensee zu sein ist heutzutage nicht leicht. Der See (insbesondere sein oberer Teil) ist zu sauber und das wirkt sich für seine Fischpopulation negativ aus. Stefan Riebel liebt aber seinen Beruf und gibt sein Wissen seinem Sohn weiter. Das Wissen über Bodensee und seine Fische, das seit mehreren Generationen sorgfältig gesammelt und weitergegeben wurde, geht nicht verloren. Und das ist das wichtigste!

Riebels Fischhandlung befindet sich in der Riedstraße 10, Insel Reichenau
www.reichenauer-fischhandlung
.de

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